Eggelingen
Ortschaft in Ostfriesland, seit 1237
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DER ZWEITE WELTKRIEG Nach der Machtübernahme durch Hitler hatte in den dreißiger Jahren mehrfach ein neuer Krieg gedroht. Wie dramatisch sich die Lage im Sommer 1939 zuspitzte, bekamen die Menschen in den letzten Augusttagen zu spüren, als plötzlich Lebensmittelmar-ken ausgegeben wurden. So wurde von einem Tag auf den anderen die Bewirtschaftung und Zuteilung von Lebensmitteln und ande-ren Wirtschaftsgütern eingeführt, wie es schon im ersten Welt-krieg der Fall gewesen war. Kein Wunder, daß die Stimmung in der Bevölkerung gedrückt war, als der Krieg am 1. Sept. 1939 schließlich ausbrach. Im Gegensatz zum ersten Weltkrieg war er zunächst noch begrenzt und spielte sich in der Hauptsache in Polen ab, das in wenigen Wochen besiegt wurde. An diesem Feldzug nahm aus unserem Dorf Theodor Oltmanns teil. Er kam zunächst unversehrt zurück. Die Lage hatte sich noch mehr verdüstert, als am 3. Sept. 1939 England und Frankreich Deutschland den Krieg erklärten. Die Stimmung vieler Menschen sank auf den Nullpunkt. Die Schule blieb zunächst geschlossen. Man rechnete mit Luftangriffen. Die größte Angst hatten die Menschen davor, daß dabei Gas eingesetzt werden könnte. Irgendwann wurden auch Gasmasken an die Bevölkerung verteilt. Wie begründet die Furcht vor Luftangriffen war, spürten die Menschen schon einige Tage nach Kriegsausbruch, als englische Flugzeuge über Wilhelmshaven erschienen. Das Abwehrfeuer der Flak war hier deutlich zu hören. An einem klaren Frosttag einige Tage vor Weihnachten 1939 überflogen zum erstenmal deutlich sichtbar englische Bomber unsere Gemeinde. Sie wurden von einer Flakbatterie, die bei Jever stand, beschossen. Wie gefährlich es war, sich bei Flakbeschuß draußen aufzuhalten, wurde deutlich, als ein acht bis zehn cm langer scharfkantiger Splitter einer Flakgranate in unmittelbarer Nähe eines Kindes zu Boden klatschte. In dem strengen Winter 1939/1940 blieb es jedoch verhältnismäßig ruhig. Im Westen lagen sich Deutsche und Franzosen gegenüber; aber obwohl sie sich im Kriegszustand befanden, kam es zunächst nicht zu größeren Kampfhandlungen. Das änderte sich, als im Mai 1940 der deutsche Angriff einsetzte und den Krieg mit Frankreich innerhalb weniger Wochen zunächst beendete. An diesem Unternehmen waren auch einige junge Soldaten aus Eggelingen beteiligt. Es gab unter ihnen ein paar Verwundete. Tote waren jedoch glücklicherweise nicht zu beklagen. Nach dem schnellen Sieg im Westen kam unter der Bevölkerung so etwas wie Begeisterung auf. Hofften doch viele auf ein schnelles und siegreiches Ende des Krieges. Aber England gab nicht auf und kämpfte zur See und in der Luft weiter. Die englischen Flugzeuge kamen jetzt in der Hauptsache nachts. Sie überflogen auch unser Gebiet. Die Verdunkelungsvorschriften mußten streng beachtet werden. Eine Straßenbeleuchtung gab es damals ohnehin nicht; aber auch aus den Häusern durfte kein Lichtschein nach draußen fallen, um feindlichen Fliegern kein Ziel zu bieten. Das Dorf lag in gespenstischer Dunkelheit. Da es hier keine Sirene gab, wurden die Menschen meist erst durch das Schießen der Flak geweckt. Aber Bombenabwürfe in unmittel-barer Nähe gab es in dieser Zeit noch nicht. Die Leute standen oft nachts draußen und beobachteten, wie Scheinwerfer der Flak den Himmel nach feindlichen Flugzeugen absuchten und wie in der Ferne Flakgranaten explodierten. Kam das Flakfeuer näher, suchte man vor Splittern schleunigst Schutz in den Häusern. Das Ziel der feindlichen Flugzeuge waren die größeren Städte. Nach solchen Angriffen war der Feuerschein der Brände z. B. in Wilhelmshaven und Emden bis hier zu sehen. Die feindlichen Flugzeuge begnügten sich hier in diesen Monaten vielfach mit dem Abwurf von Flugblättern. Die Kinder gingen dann auf "Flugblattjagd". Mit Stöcken bewaffnet zogen sie los und angelten die Flugblätter aus Gräben und Gebüsch und sahen dann zum estenmal ihre politischen Führer als Karikaturen auf den Blättern abgebildet. Auch Beschreibungen und Abbildungen tatsächlicher oder angeblicher militärischer Niederlagen der Deutschen und ihrer Verbündeten waren auf den Blättern zu sehen. Die Menschen rätselten dann darüber, was wohl daran richtig und was nichts anderes als Propagandaschwindel sei. Das waren übrigens die einzigen Nachrichten, die öffentlich aus dem feindlichen Ausland nach hier drangen. Es war streng verboten, feindliche Rundfunksender, die auch Nachrichten in deutscher Sprache brachten, zu hören. Trotz drohender harter Bestrafung gab es jedoch auch in unserer Gemeinde Leute, die heimlich den Londoner Rundfunk hörten; es war jedoch lebensgefährlich, darüber zu sprechen. Und noch weitere Grüße gab es aus England. Die feindlichen Flugzeuge gingen dazu über, Brandplättchen abzuwerfen. Das waren quadratische Zelluloidplättchen mit einer Seitenlänge von vielleicht 8 cm. In der Mitte war ein Loch, und darin befand sich ein Mullbausch, in welchem eine leicht brennbare Masse (Phosphor oder Schwefel?) verpackt war, die bei einer bestimmten Temperatur, z. B. bei Sonneneinstrahlung, anfing zu brennen. Kinder zogen mit Blecheimern los, die Dinger einzusammeln. Sie waren verhältnismäßig harmlos und haben zumindest hier keinen Schaden angerichtet, obwohl die Engländer sicherlich beabsichtigten, damit Brände anzulegen. Auf dem europäischen Festland fanden bis zum Frühjahr 1941 keine weiteren Kämpfe statt. Die aus Eggelingen eingezogenen jungen Leute waren meist beim Heer, so daß es in diesen Monaten unter ihnen keine Verluste gab. Das änderte sich, als im Juni 1941 der blutige Krieg gegen die Sowjetunion begann. Der erste Eggelinger, der in diesem Krieg ums Leben kam, war Karl Gralfs aus Greehörn. Er fiel am 26.7.1941 in Rußland. Noch im gleichen Sommer fand Otto Jürgens aus Toquard ebenfalls an der Ostfront den Soldatentod. Erich Frerichs ging im gleichen Jahr mit einem U-Boot unter. Dierk Oltmanns fiel am 27.10.1941 im Osten. 1942 blieben wir von weiteren Todesnachrichten von der Front verschont. Aber dann verging bis Kriegsende kein Jahr, in dem nicht Nachrichten eintragen, daß der Mann, der Sohn, der Vater oder Bruder für "Führer und Vaterland" (so hieß das nun) gefallen war. 1943 waren es zwei, 1944 drei und in den letzten Kriegsmonaten 1945 noch vier aus unserer Gemeinde, die in diesem Krieg ihr Leben lassen mußten. Die meisten fielen an der Ostfront. Insgesamt waren es dreizehn Gefallene und vier Vermißte, deren Namen nach dem zweiten Weltkrieg in das Kriegerdenkmal auf dem Eggelinger Friedhof eingemeißelt werden mußten. Der Jüngste war 18, der Älteste 53 Jahre alt. Die Ausweitung des Krieges war nicht gerade geeignet, die Stimmung in der Gemeinde zu heben. Und nun verstärkten sich auch noch die Luftangriffe. Es war in der Nacht nach dem Ausbruch des Krieges gegen Rußland, als die Eggelinger durch mehrere gewaltige Explosionen aus dem Schlaf geschreckt wurden. Was genau passiert war, wußte noch keiner. Am nächsten Morgen stellte sich dann heraus, daß mehrere schwere Bomben (nach der